Ein unglücklicher Geburtstag
Am 29. Februar in Hamburg-Eimsbüttel geboren. Gregor betrachtet es bis heute als persönliche Unverschämtheit, dass sein Geburtstag nur alle vier Jahre im Kalender erscheint.
Das Leben des Autors
34 Jahre alt. Schriftsteller. Hamburger. Franzose wider Willen.
Gregor Malveaux wurde in Hamburg-Eimsbüttel geboren, als Sohn eines wortkargen deutschen Buchhändlers und einer charmant-chaotischen Opernsängerin. Eine familiäre Konstellation, die ihm früh zwei Dinge mit auf den Weg gab: die Liebe zum geschriebenen Wort und die begründete Überzeugung, dass Menschen deutlich weniger reden sollten.
Seinen französischen Nachnamen verdankt er dem Großvater mütterlicherseits, Olever Malveaux aus Lyon, den er nie persönlich kennengelernt hat. Das hindert ihn keineswegs daran, diesen für einen beträchtlichen Teil seiner persönlichen Unzulänglichkeiten verantwortlich zu machen.
Gregor selbst bezeichnet das französische Anhängsel seines Namens als „kulturelle Geiselhaft“. Ein jugendlicher Versuch, den Familiennamen behördlich zu vereinfachen, scheiterte am deutschen Standesamt und dessen bemerkenswerter Unempfänglichkeit für persönliche Abneigungen gegenüber ganzen Nationen.
Schon früh entwickelte Gregor eine ausgeprägte Beobachtungsgabe, ein schwieriges Verhältnis zu Autoritäten und die unangenehme Angewohnheit, Dinge auszusprechen, die andere Menschen aus gutem Grund für sich behalten.
Heute arbeitet er als freier Schriftsteller, satirischer Kolumnist und gelegentlicher Ghostwriter für Menschen, deren Mitteilungsbedürfnis ihre tatsächlichen Gedanken bei Weitem übersteigt.
Er lebt in einer überschaubaren Altbauwohnung zwischen Büchern, vergessenen Teetassen und den Überresten literarischer Ambitionen. Sein seit Jahren angekündigter Roman, derzeit unter dem Arbeitstitel Wie ich mich kennenlernte und weglief, befindet sich nach eigener Aussage im „späten Anfangsstadium“.
Seine besondere Begabung liegt darin, menschliche Schwächen mit nahezu chirurgischer Präzision zu erkennen und sie anschließend mit vollkommen unangebrachter Offenheit zu kommentieren. Dass er dabei gelegentlich über kleinere Kriminalfälle stolpert und diese mit einer Mischung aus Verstand, Zufall und sozialer Rücksichtslosigkeit aufklärt, betrachtet er weniger als Talent denn als bedauerliche Nebenwirkung seiner Neugier.
Gregor verabscheut Kaffee, Menschenmengen, schlechtes Deutsch und große Teile der französischen Kultur. Er bevorzugt Tee, der grundsätzlich zu lange zieht, flucht vorzugsweise auf Englisch und hegt eine bemerkenswerte Schwäche für Frauen, die ein wenig zu schön, ein wenig zu melancholisch und meistens eine denkbar schlechte Idee sind.
Hinter seiner ironischen Fassade verbirgt sich ein durchaus empfindsamer Mensch, was Gregor selbst vermutlich als böswillige Unterstellung zurückweisen würde.
Ob seine Geschichten tatsächlich so geschehen sind, bleibt offen. Gregor sieht darin kein Problem.
„Ich glaube nicht an das Schicksal. Aber ich habe das Gefühl, es glaubt an mich – und lacht sich tot.“
* Biografische Angaben beruhen überwiegend auf Aussagen des Autors. Eine unabhängige Überprüfung war bislang weder möglich noch erwünscht. Ist vielleicht auch besser so - das weiß aber nur Gregor
Chronik eines Schriftstellers
Am 29. Februar in Hamburg-Eimsbüttel geboren. Gregor betrachtet es bis heute als persönliche Unverschämtheit, dass sein Geburtstag nur alle vier Jahre im Kalender erscheint.
Mit 16 Jahren versucht Gregor, seinen Nachnamen behördlich von Malveaux in Malau ändern zu lassen. Das Standesamt lehnt ab. Sein Verhältnis zu Frankreich erholt sich davon nie wieder.
Mit 19 Jahren verlässt Gregor Hamburg und zieht nach London. Offiziell, um Literatur und Journalismus zu studieren. Inoffiziell, um seiner Familie, der deutschen Gründlichkeit und einer gescheiterten Liebesgeschichte zu entkommen.
Gregor lebt in Camden, arbeitet zeitweise in einem antiquarischen Buchladen und schreibt erste satirische Kolumnen. Er entdeckt seine Vorliebe für schwarzen Humor, englische Flüche und Frauen, die ihm grundsätzlich nicht guttun.
Nach sechs Jahren in London kehrt Gregor nach Deutschland zurück. Mit zwei Koffern, einem angefangenen Roman und der Erkenntnis, dass ein Ortswechsel persönliche Probleme nicht löst, sondern lediglich deren Kulisse verändert.
Gregor beginnt als freier Autor und Ghostwriter zu arbeiten. Seine Auftraggeber sind zufrieden. Gregor ist es selten. Im selben Jahr beginnt er seinen ersten großen Roman, den er seither regelmäßig umbenennt.
Durch eine Reihe unglücklicher Zufälle gerät Gregor erstmals in die Aufklärung eines rätselhaften Vorfalls. Seine Beteiligung bezeichnet er rückblickend als „eine Verkettung vermeidbarer sozialer Kontakte“.
Mit 34 Jahren schreibt Gregor weiter über das Leben, die Menschen und ihre erstaunliche Fähigkeit, sich selbst im Weg zu stehen. Seine Geschichten führen ihn an Orte, die er freiwillig vermutlich nie besucht hätte. Sein großer Roman bleibt derweil unvollendet.
Fortsetzung ungewiss. Gregor hält das für ein Qualitätsmerkmal.